Understanding Steve Jobs

Understanding Steve Jobs

Apple I, Apple II, der MacIntosh, der iMac, der Ipod, das Iphone, das Ipaid und eine weitere Zahl großartiger Computer – das sind die Gründe, warum Apple Fans Steve Jobs fast kultisch verehren. Es gibt aber auch für distanziertere Zeitgenossen gute Gründe, sich mit Steve Jobs zu beschäftigen. Einer dieser Gründe ist die von Brent Schlender und Rick Tetzeli verfasste Biografie mit dem Titel „Becoming Steve Jobs“, die neue Erkenntnisse zur unternehmerischen Genese des Apple Gründers liefert. Dabei handelt es sich weniger um bislang unentdeckte Sachverhalte als vielmehr um Bewertungen und um Nuancen von der „offiziellen“ Biografie von Walter Isaacoson abweichende Einblicke. Jedenfalls lohnt sich die Lektüre von „Becoming Steve Jobs“ auch für die, die bereits die erste Biografie gelesen haben.

Steve Jobs
Apple

Steve Jobs – der Mythos

Steve Jobs gilt vielen als Begründer der modernen Computer-Industrie, als Mit-Erfinder des Personal Computers. Er ist der Gründer von Apple, das mit einem Börsenwert von im August 2016 knapp 600 Mrd. US Dollar eines der wertvollsten Unternehmen der Welt ist. Und schließlich war er auch schon zu Lebzeiten ein Mythos. Er brauchte ja auch alles mit, was man für einen veritablen Mythos braucht. Das doppelt verstoßene Waisenkind, cooles Aussehen und Auftreten, und schließlich ein genial gewähltes Markenzeichen in Form von Rollkragenpullover und Nickelbrille.

Steve and me

Meine Gründe Steve Jobs, interessant zu finden, haben aber weniger mit großartigen Computern, dem Börsenkurs von Apple oder dem Mythos Steve Jobs zu tun. Für mich ist die unternehmerische Leistung von Steve Jobs das eigentlich Faszinierende. Doch diese Leistung ist keineswegs ohne Widersprüche, daher besteht die Herausforderung, die Entwicklung von Steve Jobs zu verstehen. Understanding Steve Jobs heißt die Mission.

Gründung von Apple

Der Zugang zu Steve Jobs Entwicklung zum Unternehmer-Mythos eröffnet sich, wenn man sein unternehmerisches Leben in drei Phasen gliedert. Die erste Phase beginnt 1976 in der Garage von Jobs Eltern in Los Altos. Dort schraubte Jobs mit einem zusammengewürfelten Produktionsteam den von Steve Wozniak entwickelten Apple I zusammen. Es folgten der Apple II, der erste ernstzunehmende Personal Computer und schließlich 1984 der fulminant ins Computerleben gebrachte MacIntosh. Jobs erste Jahre bei Apple aber waren voller Konflikte eines vor Selbstüberschätzung und Rücksichtslosigkeit strotzenden High-Tech Rebellen, der all seine narzistischen Konflikte an seinen Mitmenschen ausließ. Die Quittung kam 1985 als das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Apple seinen eigenen Gründer feuerte.

Die Rettung von Apple

12 Jahre später, 1997, aber kehrt Steve Jobs zu Apple zurück. Apple liegt damals am Boden, schreibt die höchsten Verluste seiner Geschichte. Steve Jobs rettet Apple, baut das Untenehmen um, muss dazu aber auch hunderte Mitarbeiter entlassen. Es folgen die Präsentation des IMac 1998, die Digital Hub Strategie 2001 und schließlich im selben Jahr die Präsentation des Ipod, des ersten einer Reihe von revolutionären Geräten, die die Welt verändern sollten. Mit der Veröffentlichung von iTunes im Jahr 2003 schaffte es Jobs als erster, ein Geschäftsmodell mit digitaler Musik aufzubauen. Es sollte noch weitere vier Jahre dauern, bis Apple mit dem Iphone und der Erfindung des Smartphones endgültig Geschichte schreiben sollte. Wie oft habt Ihr heute schon auf Euer Smartphone geschaut?

Intermezzo I: NEXT

Doch was war in der zweiten Phase geschehen, was hatte Jobs wie Phoenix aus der Asche zum Retter und Begründer des „Neuen Apple“ werden lassen? Begonnen hatte die Nach-Apple Zeit mit großer unternehmerischer Freiheit für Jobs. Er hatte durch den Börsengang von Apple ein Vermögen zur Verfügung. Besessen von der Idee, den besten Computer der Welt bauen zu müssen, gründete er mit NEXT eine Firma, die die beste Computer Workstation für Universitäten konstruieren sollte. Aber NEXT war ein Misserfolg. Die Entwicklung des Rechners dauerte viel zu lang und verschlang Unsummen. Am Ende hatte Jobs ein Produkt geschaffen, das viel zu teuer war. Das also sollte der Grundstein für den Welterfolg von Steve Jobs sein?

Intermezzo II: Pixar

Er war es nicht. Es war vielmehr eine zweite Gründung, die Steve Jobs in seiner zweiten Phase als Unternehmer durchführte. Fasziniert von den Möglichkeiten der visuellen Computergrafik hatte Jobs 1986 von George Lucas dessen Computer Division gekauft und als Pixar ausgegründet. Und von Pixar, vor allem aber von Ed Catmull und John Lasseter, die das Pixar Team führten, sollte Steve Jobs lernen, wie kreative Teams geführt werden. Pixar wurde –wie wir heute wissen- sehr erfolgreich und schuf mit Toy Story den ersten vollständig Computer animierten Film der Geschichte. Steve Jobs aber war bei diesem Erfolg nur Zaungast. Er nutzte seine passive Rolle aber, um in Sachen Leadership sehr viel zu lernen. Gleichzeitig gründete er eine Familie und lernte auch dort, für Menschen Verantwortung zu übernehmen.

Die Quintessenz – Leadership und Teamfähigkeit

Was ist die Quintessenz dieses Unternehmerlebens, das leider 2011 viel zu früh endete? Jobs hatte einen fulminanten Start als Unternehmer, ist dann aber bei Apple zunächst krachend gescheitert. Danach aber hatte er das Glück, mit NEXT noch einmal zu scheitern und gleichzeitig bei Pixar unmittelbar erleben zu dürfen, wie man kreative Teams zu Höchstleistungen bringen kann.

Text: Prof. Dr. Dominik Große Holtforth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.