Digitalisierung der Optikerbranche – eine Online Shop Analyse zu Mister Spex (Teil 1)

Digitalisierung der Optikerbranche – eine Online Shop Analyse zu Mister Spex (Teil 1)

Einleitung

Die Digitale Transformation hat bereits viele Branchen erfasst, so auch die Optikerbranche. Ein Unternehmen, das den Markt für Brillen und Sehhilfen disruptiv verändert hat, ist Mister Spex. Marei Stanetschek, Eliza Karolys und Laura Olesiak haben im Rahmen ihres Medien- und Kommunikationsmanagement-Studium an der Hochschule Fresenius eine Online Shop Analyse von Mr. Spex durchgeführt und in diesem Beitrag ihre Ergebnisse dokumentiert.

Mister Spex – die Online Shop Analyse

Im Jahr 2015 schlossen noch 53,3% der befragten Menschen in einer Studie aus, Brillen online zu kaufen. Mister Spex versucht seit zehn Jahren diese Einstellung zu ändern. Mit Erfolg, denn heute ist Mr. Spex europaweit Marktführer. Dies hat das Unternehmen unter anderem dadurch geschafft, indem es die Vorzüge des E-Commerce mit Beratungsangeboten mit dem Optiker vor Ort mit guter Dienstleistung verbunden hat. Es stellt sich trotzdem die Frage wie erfolgreich sie dabei wirklich sind und ob die relevante Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen Brillenträger Mister Spex als ernsthafte Alternative zum etablierten stationären Handel sehen. Diese Frage wird in der folgenden dreiteiligen Online Shop Analyse beantwortet.

2007 stellte Gründer und Geschäftsführer Dirk Gabler fest, dass der Brillenmarkt von der Digitalisierung noch nicht erschlossen ist. Der damalige Markt wurde von hohen und intransparenten Preisen und kaum emotionalen Kauferlebnissen dominiert. Diese Punkte waren die Gründe seiner Vision eines großen, sofort verfügbaren und modischen Sortiments, mit einem transparenten Preismodell.

Zeitgleich mit Mister Spex entdeckten auch Konkurrenten wie Brille24 die Chancen der Digitalisierung des Optikermarktes. In unserer Analyse beschäftigen wir uns damit wie es Mister Spex schafft seine Marktanteile zu verteidigen und wo das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens liegt. Aus dem Grund durchleuchten wir unter anderem das Geschäftsmodell, die Online- Marketing Maßnahmen und das Social Media-Marketing.

Die Hauptaufgaben und -herausforderungen in dem Unternehmen sind jedoch die Abwicklung der Bestellungen und die komplexe Logistik. Ebenfalls ist es für Mister Spex wichtig Kennziffern wie die Conversion Rate zu messen und zu evaluieren um Rückschlüsse auf Maßnahmen ziehen zu können.

Alle diese Aspekte werden in dieser Hausarbeit aufgegriffen um eine ausführliche Online Shop Analyse von Mister Spex zu bekommen. Der erste Teil von den drei Veröffentlichungen behandelt die Themen: Geschäftsmodell und Wettbewerbssituation von Mister Spex.

Das Geschäftsmodell von Mister Spex

Das Geschäftsmodell bildet die Basis eines jeden gewinn-anstrebenden Unternehmens. In diesem Kapitel wird anhand des Business Canvas Modells, von Osterwalder und Pigneur, geklärt, wo Mister Spex seine Schwerpunkte setzt. Im Zentrum steht die Value Proposition, also der Mehrwert, der dem Kunden durch das Unternehmen geboten wird.

Die Entwicklung der Vertriebsart – vom Online Shop zum Omni-Channel

Mister Spex ist ursprünglich ein „Pure Player“ gewesen und hat sich somit nur auf seinen Online Shop konzentriert. Im Laufe der Zeit hat das Unternehmen sich zu einem Multichannel entwickelt, mit dem Ziel die Kunden auf verschiedenen Vertriebswegen zu erreichen. Dieser Prozess wird in den folgenden Unterkapiteln erörtert.

Der Ursprung des Unternehmens durch den Online Shop

Mister Spex wurde 2007 von Dirk Grabler in der Zusammenarbeit mit dem Spreadshirt- und Business Angel-Gründer Lukasz Gadowski gegründet. Anfangs basierte das Geschäftsmodell auf einem reinen Online Shop, da das Gründerteam erkannt hat, dass die Optikerbranche nicht in der Online Welt vertreten war. Somit haben sie die Chance ergriffen und launchten den ersten E-Commerce Shop in Deutschland um Brillen online zu kaufen. Die größte Hürde bildete die Ansprache der Zielgruppe, da diese verstehen musste, dass der Kauf einer Sonnenbrille oder regulären Sehbrille nicht so komplex und aufwendig ist, wie es die meisten potentiellen Kunden dachten. Als Maßnahme dafür, schaltete Mister Spex viel Werbung im Fernsehen, da man hiermit zu der Zeit die größte Reichweite generieren konnte und dass Medium den Kunden vertraut war. Bis heute etablierte sich der Online Shop in Deutschland, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Norwegen, Finnland, Schweden, den Niederlanden und Großbritannien.

Die Erweiterung durch zusätzliche Kooperation mit Partneroptikern

2011 hat sich Mister Spex dazu entschlossen mit Partneroptikern aus dem stationären Handel Kooperationen einzugehen. Ist man auf der Website von Mister Spex und sucht einen Partner Optiker, hat man die Möglichkeit den Zugriff auf seinen Standort freizugeben, somit wird einem der nächst nähere stationären Handel angezeigt. Möchte man das nicht, kann man auch seinen Standort manuell eingeben, wodurch einem alle Partnershops angezeigt werden, die in der Nähe sind.

Diese Maßnahme mindert das Risiko für unsichere Kunden, die noch nicht damit vertraut sind Brillen online zu shoppen. Zugleich optimiert dies den Service von Mister Spex, da der Kunde nun die Möglichkeit hat vor Ort im stationären Handel einen Sehtest zu machen. Anschließend kann der Kunde die aktuellen Daten in seinem Kundenprofil auf der Website von Mister Spex anlegen und hat somit die richtige Sehstärke für zukünftige Bestellungen gespeichert. Bestellt der Kunde nach dem Sehtest eine verglaste Brille wird der Preis von 9,90 Euro für den Sehtest erstattet. Sobald die Lieferung ankommt, kann man die Brille im stationären Handel noch kostenlos anpassen lassen.

Der stationäre Handel beziehungsweise der Kooperationspartner bekommt für jeden Sehtest, der über Mister Spex angemeldet wird, 15 Euro, jede Anpassung nach dem Kauf wird von Mister Spex mit 5 Euro vergütet. Wenn der Kunde nach dem stationären Besuch eine Brille bei Mister Spex kauft, erhält der Kooperationspartner eine Umsatzbeteiligung von zehn bis zu 15 Prozent. Im November 2014 wurde durch das Partnerprogramm 15 bis 20 Prozent vom Gesamtumsatz „Brille“ erwirtschaftet. Heute arbeitet das Unternehmen mit 550 lokalen Optikern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den Niederlanden zusammen.

Das Shop in Shop Modell von Mister Spex

Das Shop in Shop Modell ist die Vertiefung der Partnerschaft mit dem stationären Handel, denn nun platziert der lokale Optiker auch Brillen aus dem Sortiment von Mister Spex in seinem eigenen Laden. Somit kann der komplette Prozess – von Sehtest über Brillenwahl bis zur Anpassung nach dem Einsatz der Gläser – im lokalen Geschäft ablaufen. Die Brillen, die zur Auswahl stehen, sind ausgewählte Gleitsichtbrillen aus der Mister Spex Collection, die in Berlin hergestellt werden. Das Ziel des Shop-in-Shop Modells ist es die Zielgruppe weiter zu erschließen, denn nun werden auch Kunden mit Mister Spex vertraut gemacht, die nicht besonders online-affine sind, denn man muss die Brille nun nicht mehr online bestellen. Beworben wird diese vertiefte Kooperation durch lokale Anzeigen und bei Mister Spex auf der Webseite. Die Vorteile für den stationären Handel bleiben die gleichen wie zuvor.

Die Entwicklung zum Omni-Channel

2016 wurde das Multichannel Konzept, was bedeutete Produkt über verschiedene Vertriebswege zu verkaufen, noch weiter zu einem Omni Channel ausgebaut. Mister Spex eröffnete seinen ersten eigenen Offline Shop in Berlin, somit hat der Kunde die Möglichkeit auf das gesamte Sortiment über verschiedene Kanäle zugreifen zu können. Heute gibt es vier Shops, in Berlin Mitte, in Berlin Staglitz, in Oberhausen und in Bremen. Im nächsten Jahr sollen noch Shops in Dortmund und in Bochum eröffnet werden. Somit werden potentielle Kunde durch viele verschiedene Vertriebswege angesprochen. Ob in einer der 550 Partnerfilialen, in den neuen eigenen Offline Shops oder über den klassischen ursprünglichen E-Commerce Shop.

Durch die Idee des eigenen stationären Shops und der Internationalisierung der Website in Europa, stieg auch die Komplexität des Unternehmens und Mister Spex entschied sich dazu sein System zu ändern. Das Unternehmen wechselte zu Intershop Commerce Suit, welches ein unabhängiger Anbieter für die Umsetzung und Gestaltung des Omni-Channel-Commerce ist und somit auch die Schnittstelle zum Shop System bildet. Mister Spex kann dadurch unter anderem seine 240.000 Produktvarianten zentral verwalten, alle Produktdaten aktualisieren und an die verschiedenen Vertriebskanäle verteilen. Der Kunde kann nun sein Shopping Erlebnis im stationären Handel beginnen und theoretisch im Online Shop von Zuhause aus beenden, da der stationäre Shop und der Online Shop durch Intershop miteinander verknüpft sind.

Die Kunden und Zielgruppenanalyse von Mister Spex

Neben der Geschäftsidee, ist es für ein Unternehmen am wichtigsten seine potentielle Zielgruppe zu kennen. Mister Spex hat nach seiner Vision den Optiker Markt zu digitalisieren eine ausführliche Marktanalyse durchgeführt um zu sehen wie groß das Potential ist und wer eventuell seine zukünftigen Kunden sein werden. Die Zielgruppenanalyse ist elementar für die Ausrichtung seiner Produkte, der Usability und zum Beispiel der Werbung auf die Zielgruppe.

Customer Segments

Die Marktanalyse von Mister Spex ergab, dass 43 Millionen Deutsche eine Sehhilfe brauchen. Davon greifen knapp fünf Prozent zu Kontaktlinsen, somit tragen circa zwei Millionen Menschen, die das 14. Lebensjahr überschritten haben, Kontaktlinsen. Fast 61 Millionen Menschen in Deutschland besitzen eine Sonnenbrille. Daraus ergibt sich das Kundenpotential in Deutschland und das Angebot von Mister Spex: sie verkaufen Brillen, Gleitsichtbrillen, Sonnenbrillen und Kontaktlinsen und decken somit theoretische die ganze Marktnachfrage ab. 2013 wurde durch eine repräsentative Umfrage des Instituts TNS Infratest bekannt gegeben, dass Mister Spex, in Deutschland, bekanntester Internetanbieter für Brillen, Sonnenbrillen und Kontaktlinsen ist, da sie circa 55% gestützte Markenbekanntheit bei den 14- bis 49-jährigen Internetnutzern erreichen, die eine Brille benötigen. Somit ist diese Altersspanne unter anderem die Zielgruppe von Mister Spex. Einen Schwerpunkt bilden davon, die 14- 29-jährigen, denn sie erreichen den höchsten Wert für die gestützte Bekanntheit.

Um die Produkte am besten zu vertreiben, muss ein Unternehmen wissen wie groß das Potential ist. Diese Frage wurde am Anfang dieses Unterkapitels geklärt. Nun muss man diese potentiellen Kunden, wenn möglich, in Gruppen beziehungsweise Segmente einteilen. Prinzipiell gibt es drei verschiedene Käufergruppen, wenn man den Ort des Einkaufes betrachtet. Die erste Käufergruppe ist online-affin, das bedeutet sie präferiert das Online Shoppen, die zweite Gruppe ist eher traditionell veranlagt und bevorzugt den Kauf im stationären Handel. Die letzte Käufergruppe mischt beide Varianten, denn sie schaut sich gerne die Produkte im Internet an, da dort die Preistransparenz gegeben ist. Dennoch braucht sie auch den persönlichen Kontakt im Geschäft und die Möglichkeit sich das Produkt auch genauer anschauen zu können. Daher hat sich Mister Spex im Laufe der Zeit für das Multichannel Konzept entschieden, denn damit wird jede einzelne Käufergruppe über verschiedene Vertriebswege angesprochen.

Alles zum Thema Customer Relationship

Mit dem Customer-Relationship-Management versucht Mister Spex neue Kunden an das Unternehmen zu binden oder die Beziehung zu Bestandskunden zu vertiefen und zu verfestigen, indem ihre Bedürfnisse und Wünsche erfüllt werden. Mister Spex verfolgt zu diesem Zweck verschiedene Strategien:

Zum einen die direkte Kommunikation als Serviceleistung. Falls Kunden Fragen oder Probleme haben, können sie Mitarbeiter über eine kostenlose Kundenhotline, von montags bis freitags von acht bis 20 Uhr erreichen, zudem hat Mister Spex einen Rückrufservice, falls die Wartezeit zu lange ist. Des Weiteren gibt es noch die Möglichkeit Personal über die Emailadresse service@misterspex.de zu erreichen. Zuletzt gibt es auch eine FAQ Seite, wo Nutzer Antworten auf häufig gestellte Fragen finden können. Die meisten Kunden sind heutzutage einen 24/7 Kundenservice gewöhnt, da viele Transaktionen auch am Wochenende oder abends durchgeführt werden, somit sollte diese Serviceleistung Standard sein.

Zur Customer Relationship gehört aber nicht nur das Krisenmanagement, sondern auch das Auftreten auf Social Media Plattformen, sowie der Informationsfluss von Unternehmensseite zum Kunden. Mister Spex ist auf Facebook, Twitter und Instagram sowie Google+ vertreten, worauf in Kapitel sechs noch detaillierter eingegangen wird. Zudem haben sie für ihre Kunden einen Blog mit den neuesten Ereignissen, sowie einen Newsletter der regelmäßig über Angebote und Aktionen informiert.

Der dritte Punkt ist eine einfache Abwicklung des Einkaufs, darunter fällt zum Beispiel die Usability der Website oder auch die anderen Absatzwege. Wie in Kapitel 2.1 beschrieben gibt es die Website, die Partneroptiken, und eigene stationäre Geschäfte. Das Unternehmen bietet zum Beispiel verschiedene Zahlungsmöglichkeiten und zusätzliche kostenlose Leistungen, wie den kostenlosen Versand, Sehtests und Brillenanpassungen durch die Partneroptiken. Genauer wird in Kapitel sieben auf die Thematik eingegangen, da wir einen Selbsttest gemacht haben indem wir eine Brille bei Mister Spex bestellt und wieder zurückgeschickt haben.

Die Value Proposition des Unternehmens

Die Value Proposition bildet im Business Canvas Modell, den Mittelpunkt. Unter ihr versteht man das Nutzenversprechen von Mister Spex an den Kunden durch seine Dienstleistungen und Produkte.

Die Bestpreisgarantie ist Mister Spex besonders wichtig, da die Gründer die Vision hatten durch ihr Unternehmen das Einkaufserlebnis unteranderem durch Preistransparenz und Preisersparnis zu verbessern. Das ist mit eins der größten Vorteile für die Kunden, jede Preisdifferenz wird innerhalb von 30 Tagen erstattet. Brillen mit Sehstärke bekommt man bis zu 60 Prozent günstiger als die unverbindliche Preisempfehlung der Hersteller. Ebenfalls gibt es ein Brillen und Sonnenbrillen Outlet worüber die Restposten nochmals 45% günstiger angeboten werden.

Neben den guten Preisen hat Mister Spex das größte Sortiment an sofort verfügbaren Marken- und Sonnenbrillen in ganz Europa. Sie haben über 5.500 verschiedene Brillen, Sonnenbrillen und Sportbrillen von mehr als 90 Marken und Designern, zudem besitzen sie alle Kontaktlinsen und Pflegemittel von den relevanten Herstellern. Somit schaffen sie ein modisches und umfangreiches Sortiment, wo jeder Kunde fündig wird und ein positives Einkaufserlebnis hat.

Diese beiden Punkte werden abgerundet durch die verschiedenen Vorteile, die auch schon bei dem Thema Customer Relationship Management genannt wurden, wie zum Beispiel die verschiedenen Vertriebswege und die kostenlosen Zusatzleistungen.

Das Geschäftsmodell zusammengefasst im Business Canvas Modell

Aus den zuvor beschriebenen Customer Segments, der Customer Relationship und den Channels (den Vertriebswegen), leiten sich zusammen mit der Value Proposition die restlichen Punkte des Business Canvas Modells ab.

Zu den Key Activities von Mister Spex gehört die Bestellabwicklung, das Betreiben der Website und jeglicher Kundenservice, um die Kunden zufrieden zu stellen. Die Hauptaufgabe besteht allerdings darin die Anfragen zu beantworte und Bestellungen zu bearbeiten. Damit einhergehend ist das Fulfillment, was alle Schritte ab dem Vertragsabschluss einschließt. Neben den Bestellungen müssen auch zeitig die Retouren bearbeitet werden, von denen es nach unseren Annahmen auch viele gibt, da man bis zu vier Brillen zur Anprobe bestellen kann. Wenn Mister Spex neue Produkte in sein Sortiment aufnimmt müssen ebenfalls sofort Produktinformation und -Fotos hinzugefügt werden.

Da Mister Spex sich im Laufe der Zeit zu einem Omni Channel entwickelt hat wird sein System inzwischen von Intershop verwaltet, somit ist dieses System eines der wichtigsten Ressourcen, denn es verbindet Website und den stationären Handel miteinander. Nebenbei ist das Personal für den Kundenservice, für die Beratungen, sowie für viele andere Bereiche des großen Unternehmens unverzichtbar und zählt somit ebenfalls zu den wichtigsten Ressourcen. Hinzu kommt noch die Logistik, das Lager und die eigene Werkstatt von Mister Spex worauf in Kapitel sieben noch näher eingegangen wird.

Zu den Key Partners gehören unter anderem die 550 Partneroptiker, sowie die
Designer und Hersteller der Brillen, Sonnenbrillen und Kontaktlinsen, die in ihren eigenen Shops und auf ihrer Website vertreten sind. Für die Brillen aus Mister Spex eigener Produktion werden vor allem auch Materiallieferanten benötigt und gelten somit auch zu den Key Partners. Die Paketdienste sorgen für die reibungslose Distribution zum Kunden und Softwareanbieter wie Intershop vernetzt das gesamte Shopsystem von Mister Spex.

Daraus ergibt sich folgende Kostenstruktur: Mister Spex muss die externen Dienstleister wie Intershop für das Shopsystem und Trackingtools bezahlen, zudem muss das Unternehmen seine Personalkosten von 11.835.000 Euro und die Miete für seine eigenen Shops, die Lagerräume und für die Werkstatt begleichen. Hinzu kommen Marketingkosten für zum Beispiel TV-Werbung und andere Werbemaßnahmen. Für die Herstellung seiner eigenen Brillen fallen auch Produktionskosten an, sowie Anschaffungskosten für die Markenbrillen die vertrieben werden. Da Mister Spex kostenlosen Versand anbietet, müssen sie diese Kosten ebenfalls decken. Aus der Bilanz für das Geschäftsjahr gehen unteranderem Materialaufwände für Roh- und Hilfs- Betriebsstoffe und bezogene Waren in Höhe von 32.065.000 Euro heraus.

Diese Kosten müssen durch den Verkauf von den Brillen, Kontaktlinsen und Sonnenbrillen gedeckt werden. Somit bilden sich die Einnahmen nur aus den direkten Erlösen. An dieser Stelle kann man hinzufügen, dass Mister Spex auch viele Inverstoren hat wie zum Beispiel die Scottisch Equity Partners, Goldman Sachs, XAnge, DN Capital und die High-Tech Gründerfonds.

Online Shop Analyse

Tab.1: Business Canvas Modell nach Osterwalder und Pigneur für Mister Spex (Quelle: Eigene Darstellung)

Die Wettbewerbsanalyse von Mister Spex

Die Wettbewerbsanalyse gehört zu der externen Analyse, durch diese stellen sich Chancen und Risiken heraus, die man als Unternehmen nutzen, oder umwandeln oder notfalls umgehen muss. Durch die Wettbewerber ergibt sich zudem auch der eigene Marktanteil, sodass man sehen kann, ob man selbst oder ein anderer Wettbewerber dominiert. Im folgenden Teil wir der Optikermarkt untersucht, mit einem Fokus auf den stärksten Wettbewerber und zuletzt noch der stärkste Konkurrent in dem Bezug auf den stationären Handel.

Der Marktanteil und die Wettbewerbssituation von Mister Spex

Durch die Digitalisierung und die Preistransparenz ist im Online Optikermarkt der Wettbewerb viel intensiver als im stationären Handel und daher sind Alleinstellungsmerkmale umso wichtiger. Wie Mister Spex positioniert ist und wer zu seinen Wettbewerbern gehört wird in dem Folgendem Teil der Online Shop Analyse erörtert.

Gibt man in der Google Suchleiste das Keyword „Brille kaufen“ ein (22.07.2017), bekommt man auf der ersten Anzeigeseite schon eine Übersicht der wichtigsten Marktteilnehmer. Die ersten vier bezahlten Anzeigen sind wie folgt verteilt: Mister Spex besetzt den ersten Platz, gefolgt von brille24, my-spexx und visionet-online auf dem vierten Platz. Den ersten Platz der organischen Suche belegt ebenfalls Mister Spex, woraufhin Edel-Optics, Brillenplatz, Brille24, Fielmann, Brille-kaufen, Brilledirekt, Netzoptiker und My-Spexx folgen. Diese zehn Unternehmen bilden unter anderem die wichtigsten Marktteilnehmer.

Um eine kleine Übersicht zu bekommen werden hier einige Daten von Mister Spex, seinem stärksten online Konkurrenzen Brille24, Fielmann der Deutschlands größter stationärer Handel ist und My Spexx, ebenfalls ein Online Shop, welcher zur gleichen Zeit gegründet wurde, aufgezeigt.

Anhand von Tabelle zwei sieht man eindeutig, dass Mister Spex in der Wettbewerbsposition in dem Online Handel an erster Stelle steht. Auffallend ist, dass jedes Unternehmen mit einem Online Shop 2007 gegründet worden ist, somit sahen viele eine Chance in diesem Markt, welcher bislang noch nicht digitalisiert wurde. Man sieht zudem die Abstufung der Vertriebswege, Mister Spex bietet eindeutig die meisten Modelle an, wodurch viele Kunden angesprochen werden. Brille24 hat ebenfalls, wie Mister Spex, Partneroptiken. My Spexx beschränkt sich allerdings nur auf den reinen E-Commerce, was Grund für die geringe Zahl an Kunden sein könnte, wodurch sie es nicht geschafft haben sich so durch zu setzten wie Mister Spex und Brille24. Im Jahr 2015 betrug der Gesamtumsatz der Online Optikerbranche 250.000.000 Euro und Mister Spex hatte laut seiner Bilanz von 2015 einen Umsatz von 60.873.000 Euro. Nun kann man anhand der Zahlen den Marktanteil von Mister Spex schätzen, da er nicht veröffentlicht ist. Der Marktanteil berechnet sich durch den eigenen Umsatz geteilt durch den Gesamtumsatz der Branche. Somit kommen wir auf einen Marktanteil von circa 24,4 Prozent.

Online Shop Analyse

Tab. 2: Vergleich der Wettbewerber (Quelle: Eigene Darstellung)

Die größte Konkurrenz von Mister Spex

Brille24 ist der stärkste Konkurrent von Mister Spex. Anfangs verfolgten beide verschiedene Strategien und hatten daher die Möglichkeit verschiedene Kundensegmente anzusprechen, ohne sich in die Quere zu kommen. Dadurch konnten beide Unternehmen gut wachsen, obwohl sie zur gleichen Zeit gestartet sind. Brille24 hatte zunächst keine Markenbrillen in ihrem Sortiment, dies änderte sich mit dem Aufkauf des Online Shops Optik24Plus, denn sie boten Markenbrillen an. Mister Spex vertrieb von Beginn an Markenbrillen und hat erst in den folgenden Jahren eine Mister Spex Collection auf den Markt gebracht. Heute gleichen sich beide Unternehmensstrategien sehr, nachdem Mister Spex die Kooperationen mit dem Einzelhandel gestartet hat, ging Brille24 eine Kooperation mit Rewe ein. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass Mister Spex den Kunden einen größeren Mehrwert durch die Fachkompetenz der stationären Optiker bringen konnte. Somit hat Brille24 die Idee mit den Partneroptikern übernommen. Allerdings hat Mister Spex noch immer einige Alleinstellungsmerkmale durch die sich das Unternehmen von Brille24 abhebt, wofür auch die gute Positionierung spricht, da Mister Spex, wie zuvor erwähnt bei den bezahlten und organischen Treffern jeweils auf dem ersten Platz ist.

Mister Spex hat das umfangreichste Angebot im Vergleich zum gesamten Markt, egal ob online oder stationär. Sie bieten über 5500 Produkte an, fast das Vierfache an dem was Brille24 anbietet. Zudem ist Mister Spex das einzige ursprüngliche Online Unternehmen, welches bis heute vier stationäre Geschäfte eröffnet hat und sie waren auch die ersten mit der Idee der Partneroptiken, dadurch haben sie den Kunden einen großen Mehrwert geboten. Das wichtigste ist, dass sie im Vergleich zu der Online Konkurrenz auch die meisten Kunden haben, sie haben doppelt so viele Kunden wie Brille24, obwohl sie inzwischen beide die gleiche Strategie verfolgen. Somit nehmen sie einander die Kunden weg, da sich die Zielgruppen beider überschneiden.

Vergleicht man die Zahlen von Brille24 und Mister Spex sieht man auch deutliche Unterschiede. Brille24 hat 433,96K Total Visits, ein Kunde ruft während einer Sitzung durchschnittlich 8,6 Seiten auf und sie haben eine Bounce Rate von 36,81 Prozent. Mister Spex hat 1,28M Total Visits, ein Kunde ruft 13,17 Seiten pro Sitzung auf im Durchschnitt und die Bounce Rate beträgt 25,49 Prozent. Auch durch diese Zahlen wird belegt dass Mister Spex erfolgreicher ist. Sie haben mehr Traffic auf ihrer Website und dennoch eine geringere Absprungrate, zudem halten sich die Kunden länger auf ihrer Seite auf.

Wichtig ist ebenfalls der stationäre Wettbewerb, denn im Jahr 2015 wurden 5,8 Milliarden Euro mit der Augenoptik umgesetzt, davon wurden circa vier Prozent durch die Online Shops erwirtschaftet, obwohl die Preise in den Online Shops für einfache ein-stärke-Brillen im Schnitt 30 bis 50% günstiger sind. Der Aufschlag lässt sich im stationären Handel durch höhere Fixkosten und die Beratung durch das Personal begründen, welche die Kunden bereit sind zu zahlen. Das kann man anhand der hohen Differenz des prozentualen Umsatzes der Online Shops im Vergleich des stationären Handels erkennen. Fielmann ist Deutschlands größter stationäre Handel. Das Unternehmen hat einen Marktanteil von knapp 50 Prozent, wenn es um die gesamten Optikermarkt geht und wächst im Vergleich zu seiner stationären Konkurrenz doppelt so stark mit fünf Prozent. Die Onlinehändler wachsen hingegen zum stationären Handel im Schnitt sechs Mal so schnell.

Verfasserinnen:

Marei Stanetschek, Eliza Karolys, Laura Olesiak

Quellen

Birger, N. [2015]
Welt, verfügbar unter: https://www.welt.de/wirtschaft/article144233612/Warum-Optiker-um-ihre-Lizenz-zum-Gelddrucken-bangen.html (20.07.2017)

Dier, M. [2013]
Aktuelle Umfrage bestätigt: Mister Spex ist Deutschlands bekanntester Online-Optiker, verfügbar unter: https://corporate.misterspex.com/wp-content/uploads/2015/10/2013-08-21-PM-Mister-Spex-laut-TNS-Umfrage-Deutschlands-bekanntester-Online-Optiker.pdf (20.07.2017).

Intershop [o. J.]
Mister Spex mit klarer Vision: Vom Web-Shop zur Omni-Channel-Strategie, verfügbar unter: https://www.intershop.de/files/Intershop/media/downloads/de/success-stories/de_MisterSpex.pdf (21.07.2017).

Luiza [2016]
Corporate Mister Spex. News Blog, verfügbar unter: https://corporate.misterspex.com/de/blog/mister-spex-wollte-es-genau-wissen-alle-zahlen-und-fakten-ueber-sonnenbrillen-und-kontaktlinsentraeger-in-deutschland/ (20.07.2017).

Meixner, S. [2014]
Neuhandel, verfügbar unter: http://neuhandeln.de/mister-spex-verraet-details-zu-seiner-multichannel-strategie/ (19.07.2017).

Meixner, S. [2015]
Neuhandel, verfügbar unter: http://neuhandeln.de/mister-spex-startet-ein-shop-in-shop-konzept-fuer-optiker/ (19.07.2017).

Mister Spex GmbH [2017]
Bundesanzeiger. verfügbar unter: https://www.bundesanzeiger.de/Ebanzwww/wexsservletsession.sessionid=0f0f9b23909d800629c73e91f9e32c0d&page.navid=detailsearchlisttodetailsearchdetail&fts_search_list.selected=3a9f7486ab40f1da&fts_search_list.destHistoryId=01148 (15.07.2017).

Mister Spex [o. J.]
Coporate Mister Spex. Über Uns, verfügbar unter: https://corporate.misterspex.com/de/ueber-uns/wer-wir-sind/company-story/  (22.07.2107).

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