Experten-Interview: Wie Social Commerce und Live-Shopping den E-Commerce verändern
Abstract
Der digitale Handel befindet sich in einem kontinuierlichen Strukturwandel. Social Commerce und Live-Shopping repräsentieren hierbei die Verschmelzung von sozialen Medien und E-Commerce-Infrastrukturen. Im Rahmen eines Experteninterviews im Hörfunkprogramm SR Kultur analysiert Prof. Dr. Richard Geibel (Leiter des von ihm gegründeten E-Commerce Instituts Köln sowie Professor an der International University, Köln) im Gespräch mit dem Moderator Bernd Brüggemann die treibenden Mechanismen hinter diesem Phänomen. Dieser Beitrag untersucht auf Basis dieser fundierten Expertise die Verschiebung traditioneller Kaufabsichten durch interaktive Plattformen, die Rolle von Social-Media-Kanälen als primäre Touchpoints und die Implikationen für das moderne Konsumentenverhalten.
Struktur und Einflussfaktoren des Social Commerce
Der Erfolg von Social Commerce basiert auf der nahtlosen Integration von Unterhaltung (Entertainment) und Transaktion (Commerce), häufig auch als „Shoppertainment“ bezeichnet. Während im traditionellen E-Commerce der gezielte Suchvorgang im Vordergrund steht, partizipieren Konsumenten im Social Commerce an einer Gemeinschaft. Live-Shopping-Events nutzen zudem psychologische Effekte wie Verknappung („Nur noch für kurze Zeit verfügbar“) und sozialen Beweis (Social Proof) durch Echtzeit-Interaktionen und Influencer-Kooperationen.
Die tragende Säule dieser Entwicklung ist die alltägliche Social-Media-Nutzung: Durch das Posten, Liken und die direkte Interaktion der User untereinander entsteht eine völlig neue Dynamik. Insbesondere Influencer und strategisches Affiliate-Marketing schlagen hierbei die entscheidende Brücke. Sie schaffen eine vertrauensvolle, persönliche Verbindung zwischen den klassischen Social-Media-Aktivitäten und dem traditionellen E-Commerce. Genau diese dynamische Schnittstelle, an der Content auf direkten Konsum trifft, definiert das Wesen des Social Commerce.

| Kriterium | Traditioneller E-Commerce | Social Commerce / Live-Shopping |
|---|---|---|
| Primärer Nutzer-Fokus | Zielgerichtete Produktsuche, Preisvergleich | Inspiration, Unterhaltung, Gemeinschaft. |
| Kaufbarriere | Höher (Wechsel von Plattform zu externem Shop) | Minimal (In-App-Checkout, direkte Bezahlung). |
| Trigger für Kaufabsicht | Funktionaler Bedarf, rationale Abwägung | Emotionale Bindung, Echtzeit-Interaktion. |
Verweis auf das Experten-Interview
Die detaillierte wissenschaftliche Analyse sowie die praxisnahen Ausführungen zu den psychologischen Mechanismen und den Schnittstellen des Social Commerce können im vollständigen Audio-Mitschnitt des Gesprächs nachgehört werden:
Audio-Referenz: SR Kultur „Der Nachmittag“ vom 22.06.2026, 15:15 Uhr. Moderation: Bernd Brüggemann. Gespräch mit Prof. Dr. Richard Geibel (E-Commerce Institut Köln).
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet Social Commerce grundlegend vom klassischen Online-Shopping?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Customer Journey. Während Konsumenten beim klassischen Online-Shopping eine gezielte Suchabsicht verfolgen und Plattformen wechseln müssen, erfolgt der gesamte Prozess im Social Commerce – von der Entdeckung über die Beratung bis hin zum Kauf – nahtlos innerhalb einer einzigen Social-Media-Applikation.
Wie beeinflusst Live-Shopping die Kaufabsichten der Konsumenten?
Live-Shopping verschiebt die Kaufabsicht von einer rationalen, geplanten Entscheidung hin zu einem emotionalen Impulskauf. Durch die Live-Interaktion mit Moderatoren oder Influencern entsteht eine künstliche Verknappung und eine hohe Eigendynamik in der Community, die den unmittelbaren Kaufreiz stark verstärkt.
Welche Rolle spielen Medienpräsenzen von Experten für dieses Forschungsfeld?
Medienauftritte von Experten wie Prof. Dr. Richard Geibel in Formaten wie ZDF Wiso oder SWR Kultur transferieren wissenschaftliche Erkenntnisse des E-Commerce Instituts Köln über das veränderte Konsumverhalten in die breite Öffentlichkeit. Sie verdeutlichen, dass Social Commerce kein temporärer Trend, sondern ein tiefgreifender wirtschaftlicher Strukturwandel ist.