Live-Shopping im Internet: Ist das ein Trend der Zukunft? „Wir erwarten, dass 2030 zehn Prozent des Onlinehandels in dieser Form stattfinden“, sagt Richard Geibel, Institutsleiter und Geschäftsführer des E-Commerce Instituts Köln im Interview mit Frau Judith Schulte-Loh im WDR5. Im Folgenden finden Sie das Transkript.
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Frau Schulte-Loh, WDR5: Für viele von uns gehört das inzwischen ja zum Alltag. Zum Einkaufen muss man nicht mehr ins Geschäft gehen, volle Läden wie jetzt gerade in der Black Friday Woche kann man locker vermeiden und online shoppen. Nun ist alleine vor dem Laptop sitzen natürlich noch kein Event. Aber auch da lassen sich die Händler inzwischen einiges einfallen. Wir reden über Live Shopping und es hört sich so an.
China gehört schon selbstverständlich zum Onlinehandel. Und wie es bei uns aussieht, darüber habe ich mit Dr. Richard Geibel gesprochen, er ist Leiter des E-Commerce Instituts Köln. Also Tele-Shopping gibt es schon lange – beim Live Shopping nutzen die Händler Unternehmens-Webseiten, App oder soziale Plattform. Welche Idee steckt dahinter?
Richard Geibel: Ja, wir alle wissen, dass insbesondere während der Pandemie der Online Handel sehr stark expandiert ist. Und gleichzeitig sind wir natürlich alle soziale Wesen, wir wollen gerne zusammen einkaufen gehen in die Shops und hat sich also gezeigt, dass die Kombination von beiden Welten eigentlich die Lösung ist.
Und hier gibt es eben zwei große Bereiche, die jetzt zusammenwachsen. Einerseits haben wir die Social Media Plattform und wir haben andererseits das klassische E-commerce, den Onlinehandel. Also Social Media verkauft jetzt über die großen Plattformen Produkte, indem sie im Hintergrund das sogenannte Fulfillment, also das Ausführen dieser Handelsprozesse an die bewährten Player aus dem E-commerce weitergeben.
Frau Schulte-Loh, WDR5: Um ganz klar zu sagen: damit ist das für mich als Käufer oder als Käuferin, ist das Bezahlen viel viel einfacher geworden, wenn ich beim Live Shopping dabei bin.
Richard Geibel: Es wird tatsächlich einfacher und jetzt kommt noch ein besonderer Trick. Idealerweise merkt man das als Kunde gar nicht, denn sie haben ja drei Probleme, die jetzt gelöst werden. Die Social Media Plattform muss die Kunden nicht mehr abgeben. Die wollen ja, dass sie auf der Seite bleiben. Das nennt man auch „Stickiness of the Site“. Der Kunde hat es einfacher, viel bequemer, er muss nicht hin und her springen. Und auch die Ausführenden, das heißt die Händler, haben es einfacher, weil im Hintergrund die Verbindung hergestellt wird. Dieses Zusammengehen nennen wir „Social Commerce“.
Frau Schulte-Loh, WDR5: Also man kommt ja gar nicht mehr dazu nachzudenken und zu zögern und noch mal zu überlegen. Jeder von uns kennt das, wenn man online geht und versucht zu zahlen und sieht jetzt muss ich das noch machen, und muss ich das noch machen, dann sind so Schritte dazwischen wo man sagt „brauche ich das wirklich?“. Die Gefahr, dass man auf einmal was kauft, ist doch ganz schnell viel größer.
Richard Geibel: Da haben Sie natürlich recht. Die Gefahr besteht, allerdings ist es für die Kunden bequemer und sie wollen das. Denken Sie nur bei einer großen amerikanischen E-Commerce-Plattform an das „1 click buy“. Das passiert jetzt genau auch. Wir sprechen hier von der Reise des Kunden der so sogenannten „Customer Journey“. Die war früher sehr kompliziert über fünf Phasen und mit vielen „Touch Points“: der Kunde muss angeregt werden, er muss auf die Seite gehen, muss sich das Produkt angucken, musste recherchieren, Empfehlungen prüfen, etc. Dann hat er das Produkt schließlich in den Warenkorb gelegt, um es zu kaufen. Jedoch werden zwei Drittel der Produkte, die in den Warenkorb gelegt werden, nicht gekauft. Die Kunden-Reise bricht dann ab, obwohl da sehr, sehr viele Schritte vorgenommen wurden. Die Neuerung, die jetzt stattfindet, ist dieser komprimierte „Customer Moment“, in dem alle Phasen auf einmal stattfinden. Also in einem Moment sehen Sie bspw. den Influencer, sie sehen die Jacke, sie finden die toll. Sie klicken da drauf, sie wird bestellt und für sie geliefert aus der Social Media Plattform heraus, aber durch das Ausführen der Partner aus dem E-Commerce.
Frau Schulte-Loh, WDR5: Werde ich da als Kundin und Kunde eigentlich auch noch mehr angesprochen und beteiligt? Kann ich da in Interaktion treten?
Richard Geibel: Absolut, das ist so. Die großen Player aus dem E-commerce Bereich, nehmen wir die Otto Group oder Zalando oder insbesondere Amazon wollen sich natürlich nicht einfach geschlagen geben. Die sagen jetzt „Wir machen es umgekehrt. Wir bringen Elemente des Social Media auf unsere Seiten, d.h., wenn Sie jetzt Amazon.com Schrägstrich Live angeben, landen sie auf der Seite, wo sie Influencer sehen. Wo Sie Social Interaction haben, also Chats. Wo sie Recommendation Marketing finden, wo Sie ihre Meinung hinterlassen können. Zum Beispiel hat Heidi Klum zu Halloween ihre Kostüme dort verkauft und Schmink-Tipps an die potenziellen Käufer gegeben.
Frau Schulte-Loh, WDR5: In China schon ein voller Erfolg. Glauben Sie, dass sich das bei uns durchsetzen wird?
Richard Geibel: 2030 erwarten wir, dass ja nicht mehr lange, etwa sechs Jahre, dass der E-Commerce Markt – und er ist allein in Deutschland etwa 90 Milliarden Euro groß – etwa zu zwei Drittel, gut 60% Prozent durch die großen Plattformen abgewickelt wird. Unter 30% Prozent über einzelne separate Webseiten und dann zu 10% Prozent über dieses Social Commerce, wozu auch Live Shopping gehört. Also 10% entspricht neun Milliarden Milliarden Euro werden über diese neue Form der Interaktion mit Kunden durchgeführt.
Frau Schulte-Loh, WDR5: Also Live Shopping, auch bei uns in Deutschland im Kommen, sagt Richard Geibel, Leiter des E-Commerce Instituts Köln.
Das Interview mit dem Instituts-Leiter Richard Geibel auf der Website des WDRs finden Sie hier.
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