Ein Tag, zehn Tracks, eine gemeinsame Frage: Mein Rückblick auf die ISPC 2026

Ein Tag, zehn Tracks, eine gemeinsame Frage: Mein Rückblick auf die ISPC 2026

Nach dem E-Commerce Best Practice Day ging es am Freitag nahtlos weiter: Die ISPC 2026 (International Scientific & Practical Conference on Digital and AI Management), diesmal wieder an der FHNW in Brugg-Windisch ausgerichtet, mit zehn parallelen wissenschaftlichen Tracks und einem Publikum aus aller Welt.

Die Eröffnung: Zahlen, die für sich sprechen

Richard Geibel eröffnete die Konferenz mit einem herzlichen Dank an das Organisationsteam vor Ort – Darius Zumstein, Adele Dörner und Anouk Hodel – und mit ein paar Zahlen, die die Entwicklung der ISPC eindrucksvoll zeigen: 264 Autor:innen aus 52 Universitäten und Institutionen, 22 Ländern und 5 Kontinenten. Von Georgien über Malaysia, Indonesien und Marokko bis in die Schweiz – kaum eine Region war nicht vertreten.

Besonders spannend fand ich Richards Einblick in die „Strategie 2030“ der ISPC, die auf drei Prinzipien aufbaut:

  1. Better Researchers – Statt nur ein Peer-Review-Urteil zu fällen, gibt es bei 100 Präsentationen mittlerweile ein KI-gestütztes Review-System, das gemeinsam mit dem menschlichen Konferenzmanagement-Team arbeitet und ausführliches, teils 6–10-seitiges Feedback liefert – damit Autor:innen tatsächlich etwas lernen, nicht nur ein Ergebnis erhalten.
  2. Better Research Community – aus der reinen Jahreskonferenz soll eine echte Community werden, mit eigener Plattform in Planung.
  3. Shape the Future of Digital & AI Management – der gemeinsame inhaltliche Fokus aller zehn Tracks.
ISPC2026
Bildquelle: eigenes Foto

Track 10: Digital Health, Trust & Societal AI

Ich durfte diesen Track gemeinsam mit Richard moderieren – ein Track, der zeigt, wie breit „Digital Health“ mittlerweile gedacht wird. Ein paar Beiträge, die mir besonders im Kopf geblieben sind:

  • Patricia Girrbach (IU) eröffnete mit einem Leadership-Modell für digitale Transformation: Nachhaltiger digitaler Erfolg hängt nicht nur an der Technologie, sondern an Führung, die psychologische Sicherheit und eine echte Lernkultur schafft.
  • Tamar Charkviani (Caucasus University, Georgien) untersuchte, wie digitales Vertrauen zivilgesellschaftliche Teilhabe im KI-Zeitalter beeinflusst – am Beispiel Georgiens ein eindrückliches Beispiel dafür, wie eng Technologievertrauen und demokratische Resilienz zusammenhängen.
  • Gleich drei Beiträge rund um Siavash Hosseinpour Chermahini (mit wechselnden Co-Autor:innen) beleuchteten Digitalisierung im Gesundheitswesen aus verschiedenen Blickwinkeln – von ethischen Herausforderungen über Telemedizin bis zu den Chancen und Risiken für den Datenschutz.
  • Halimah Mohd Yusof & Roya Anvari widmeten sich der organisationalen Seite: Wie verändert KI Teamarbeit, Führung und Unternehmenskultur im Gesundheitswesen – und warum Change Management dabei mindestens so wichtig ist wie die Technologie selbst.
  • Und auch Social Commerce war im Track vertreten: Meriem Nejjar und Hanaa El Bayed Sakalli zeigten, wie TikTok und Instagram Impulskäufe bei jungen marokkanischen Konsument:innen beeinflussen – ein schöner Brückenschlag zum Vortag.

Track 3: Digital Consumer Experience, Retail & Marketing

Auch bei Kolleg:innen aus Track 3 (moderiert von Alina Holle und Christian Pangaribuan) gab es einiges, das ich am Rande mitbekommen habe:

  • Gleich mehrere Beiträge aus Indonesien untersuchten, wie stark Influencer:innen und Fan-Communities Kaufentscheidungen der Gen Z treiben – von visuellem Merchandising bei Colorbox bis zum „Credibility-Purchase Disconnect“: Glaubwürdigkeit von Influencer:innen baut zwar parasoziale Bindung auf, aber nicht die Bindung selbst treibt den Kauf, sondern die emotionale Nähe – der sogenannte „Bestie Effect“.
  • Devi Shonia, Davit Ugrelidze und Luka Nadirashvili stellten ein Framework vor, das Marketing als Motor der „Behavioral Activation“ in Smart Cities positioniert – Daten schaffen erst dann Wert, wenn sie tatsächlich Verhalten verändern.
  • Und ein Wiedersehen mit einem Thema vom Vortag: Celine Alter und Lisa Lüthy stellten ihre Studie zu Hologramm-Shopping-Assistenten bei LOEB vor – dieselbe „EMILIA“, die Martin Stucki tags zuvor live gezeigt hatte. Die Studie liefert dazu die wissenschaftliche Tiefenbohrung: Vertrauen entsteht durch Genauigkeit und Konsistenz, bricht aber schnell weg bei falschen Antworten oder Sprachproblemen. Kund:innen schätzen vor allem einfache, praktische Anwendungsfälle – Orientierung, Wegbeschreibung, Produktinfos – mehr als die Neuheit an sich.

Mein Fazit

Was mich am meisten beeindruckt hat: Ob Leadership in der Pflege, digitales Vertrauen in Georgien, Hologramm-Assistenten bei LOEB oder Influencer-Marketing in Indonesien – am Ende ging es in fast jedem Track um dieselbe Grundfrage, die wir schon am Vortag beim E-Commerce Best Practice Day gesehen hatten: Wie schaffen wir echtes Vertrauen in Systeme, die zunehmend von KI mitgestaltet werden – und wo braucht es weiterhin den Menschen?

Ein rundum bereichernder Tag, gerahmt von einer beeindruckend internationalen Community – ich freue mich schon auf die ISPC 2027.

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